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Aus der Marktgemeinderatssitzung vom 20. Juli 2020

Neubau des Begegnungszentrums mit Arztpraxis

Die Vorstellung des aktuellen Planungsstandes für den Neubau des Begegnungszentrums mit Arztpraxis auf dem Grundstück Kulmbacher Straße 7 stand am Beginn der Marktleugaster Gemeinderatssitzung in der Schulturnhalle, die erstmals bereits um 18.00 Uhr begann. Bürgermeister Franz Uome (CSU) blickte auf einen historischen Tag, an dem für zwei Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von zirka sieben Millionen Euro die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Denn neben dem Begegnungszentrum wurde im weiteren Verlauf des Abends auch die Machbarkeitsstudie "Marienweiher 16" mit Nutzungskonzept und Kostenschätzung präsentiert.

Tino Heß, Inhaber des Architekturbüros Juli, zeigte an, dass von den rund 800 Quadratmetern Gesamtfläche des Begegnungszentrums 234 Quadratmeter (30 Prozent) auf die Arztpraxis im Erdgeschoss entfallen und die restlichen 70 Prozent das Begegnungszentrum im Erd- und Obergeschoss umfassen. Der Veranstaltungssaal im Obergeschoss bietet Platz für bis zu 100 Personen, weiterhin sind einige Vereinszimmer vorgesehen.

Die Vorstellung des Energiekonzeptes übernahm Wolfgang Böhm von der Energieagentur Nordbayern. Er merkte an, dass sich Landrat Klaus Peter Söllner darüber freue, dass die Energieagentur die Kommune fachlich begleite und unterstütze. Wolfgang Böhm ging auf die durchgeführten Wirtschaftsbetrachtungen ein, die ergaben, dass für die Heizungsanlage aus ökologischen Gründen keine fossilen Brennstoffe verwendet werden. Die Beheizung des Begegnungszentrums erfolgt mit dem Einbau einer Wärmepumpe mit Sole + GeoCollect. Die Marktgemeinde habe sich zudem für eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt Peak (kWp) zur Stromerzeugung für den Eigenverbrauch entschieden und werde den Rest einspeisen. Nach den Worten Böhms können 35.000 Kilowattstunden Strom selbst erzeugt werden. Davon würden nur rund 15.000 Kilowatt (41 %) selbst verbraucht. In knapp neun Jahren sei die Photovoltaikanlage finanziert und dann erwirtschafte sie Geld für Marktleugast. Rundum, die Marktgemeinde schaffe ein energieunabhängiges Gebäude. Über die Vorbildfunktion freute sich Gemeinderätin Margareta Schoberth (CSU), werde doch damit für die Klimaziele etwas getan. Der Marktgemeinderat stimmte dem Bauantrag für das Begegnungszentrum mit Arztpraxis einstimmig zu.

Machbarkeitsstudie "Marienweiher 16" mit Nutzungskonzept

Neben dem Neubau des Begegnungszentrums mit Arztpraxis im Hauptort Marktleugast stand die Vorstellung der Machbarkeitsstudie "Marienweiher 16" mit Nutzungskonzept im Vordergrund der Marktgemeinderatssitzung. Architekt Stefan Schlicht vom Architekturbüro Schlicht Lamprecht Architekten PartGmbB aus Schweinfurt stellte die Studie für ein "Begegnungs- und Bildungszentrum" vor.

Schlicht zeigte an, dass bereits viele Gespräche und Treffen wie mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg, der Projektgruppe Marienweiher und dem Amt für Denkmalschutz stattgefunden haben. Zusammen mit Pfarrer Manfred Striegl fand eine Besichtigung des Hauses Johannisthal in Windischeschenbach statt. In einer ersten großen Runde der Projektgruppe, bei der auch die Gastronomen von Marienweiher dabei waren, wurde analysiert, welchen Bedarf Marienweiher an dem Haus und Grundstück hat, welcher Raumbedarf notwendig ist und welchen Nutzungen es zugeführt werden könnte.

Grundsätzlich sollte das Grundstück bis auf die Scheune geräumt werden, auch der spätere Anbau und das Toilettenhaus könnten abgebrochen werden. Im Vorbereich muss die Treppe erneuert und der Vorgarten hergerichtet werden. Neu gestaltet werden kann durch den Abbruch des Anbaus die hintere Zufahrt. Zum Nachbargrundstück hin ist ein Ersatzbau über dem Gewölbekeller, der aus Sicht des Denkmalschutzes erhalten bleiben muss, möglich. Somit bietet sich an, einen zweigeschossigen Anbau zu errichten, um die benötigten Platzflächen zu erhalten.

Die Kosten können bei einem bestehenden Gebäude nur geschätzt werden. Dazu wird ein gewisser Betrag pro Kubikmeter angenommen, der bei vergleichbaren Projekten zwischen 604 und 800 Euro den Kubikmeter lagen, sagte der Architekt. Für dieses Gebäude wurden jetzt 850 Euro angenommen, um auf der sicheren Seite zu stehen. An Gesamtkosten wurden somit 4,517 Millionen Euro ermittelt.

Bürgermeister Franz Uome (CSU) wies auf die Bedeutung dieses Projektes hin, bei dem der Blick in die Zukunft für nachfolgende Generationen gerichtet werden muss. Er wiederholte hier die Stellungnahme des Projektkoordinators am Landratsamt Kulmbach, Klaus Bodenschlägel, dass hier ein seriöses Zahlenwerk und eine gute Planung vorliegen. Für den Zuschussgeber ist diese Maßnahme ein Initialprojekt für Marienweiher. Und auch das Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg spreche sich sehr für diese Maßnahme aus.

Schlicht schaute auf ein schönes Gebäude - die Anfänge stammen aus dem Jahr 1658 ! - mit großem Sanierungsbedarf. Die Bausubstanz ist zu modernisieren und zu sanieren. Es sind große Flächen da. Daher gelte es, das Grundstück zu öffnen und eine schöne Hoflösung zu finden.

Neben dem Pilgerbüro sollten u.a. ein Empfang mit Garderobe, Toiletten, eine Küche und Essensraum, ein kleiner Verkaufsraum sowie eine Bibliothek vorhanden sein. Gedacht ist auch an einen großen Seminarraum sowie kleine Gruppenräume. Zu denken ist an Besprechungs- und Ruheräume, nicht fehlen darf ein Fernsehraum. Gedacht werden kann möglicherweise auch an ein kleines Museum über die Oberfranken-Stiftung. Vorgeschlagen ist zudem, im Außenbereich eine Terrasse sowie einen Pavillon zu etablieren.

"Das, was wir jetzt haben, ist die letzte Chance, um aus dem Anwesen Marienweiher 16 etwas Gescheites zu machen", sagte Gemeinderat Norbert Volk (WGM). Der Ratskollege Hans Pezold (WGM) erbat sich einen Zeitablauf zu benennen, um das Vorhaben in die Umsetzung zu bekommen. Und Stefan Schlicht betonte: "Sie haben mit der Basilika ein riesengroßes Zugpferd." "Es muss Leben reinkommen, damit es für unseren Marienwallfahrtsort ein Erfolg wird", machte Gemeinderat Daniel Schramm (CSU) deutlich. "Um für Pilger schlichte Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, wäre das Gebäude ideal", sah Rätin Margareta Schoberth (CSU). Auch Setrick Röder (FW) betonte die große Chance, die der Marienwallfahrtsort Marienweiher mit dem Projekt bekomme. "Das ist ein Vorhaben, aus dem neben Marienweiher die gesamte Marktgemeinde profitiert", strich Gemeinderat Clemens Friedrich (HBG) heraus.

Bürgermeister Uome (CSU) möchte jetzt zügig zusammen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg handeln. Bis Ende des Jahres sollte der Förderbescheid da sein, um in die Planung zu kommen. Es ist und werde ein Projekt für die nächsten 100 Jahre. Architekt Stefan Schlicht forderte das Ratsgremium nochmals auf, der Maßnahme zuzustimmen, was einstimmig geschah.

Zwei Bauanträge

Als Angelegenheit der laufenden Verwaltung genehmigte das Bauamt des Marktes Marktleugast den beabsichtigten Neubau von Renate Köhler-Steinlein in der Glatzer Straße sowie von Steffen und Lisa Meyer in Marienweiher 149. Letzteres schließt auch eine Baulücke. Beide wurden zudem von Festsetzungen der Bebauungspläne befreit.

Informationen des Bürgermeisters

Bürgermeister Franz Uome informierte das Ratsgremium darüber, dass der Bergbauhistorische Wanderweg, der auch Marktleugast berühre, erneuert und attraktiver gestaltet werden soll. Vorgesehen sind zwei Strecken von fünf und zehn Kilometern.

Er gab zudem bekannt, dass sich der Markt Marktleugast nicht am beabsichtigten Niederschlagsabflussmodell "Einzugsgebiet Weißer Main" beteiligt, da die Kommune kaum davon tangiert wird.

Besprechen will Bürgermeister Franz Uome die Parksituation in der Parkstraße mit der Polizei in Stadtsteinach, denn es müsse was gemacht werden.